Der Sprachgebrauch als Grundlage und als Merkmal für Vollkommenheit

Wie Sie sprechen, so leben Sie auch

In der buddhistischen Psychologie heißt es, daß die Hauptquelle für den Verlust an Energie der Sprachgebrauch ist. Die christliche Religion lehrt: „Es ist nicht wichtig, was in den Mund eines Menschen Eingang findet, wichtig ist, was aus ihm herauskommt.“ Einige benutzen diese Redensart dazu, um ihre Ernährungsweise zu rechtfertigen, die in vielem der eines Schweines ähnlich ist – „Iß, was du willst und was du siehst.“ Ich lasse dabei den zweiten Teil dieser Redensart weg. Viele Asketen und Heilige zogen sich in abgeschiedene Orte zurück, damit ihnen nichts Anlaß gegeben hat, an inhaltslosen Gesprächen teilzunehmen. In den Veden werden inhaltslose Gespräche „Prajalpa“ genannt. Und gerade die sind eines der Haupthindernisse auf dem Weg zu spirituellem und materiellem Fortschritt. Wir beurteilen einen Menschen zunächst danach, wie er spricht. Der Sprachgebrauch legt einen Menschen fest.

Praktisch jeder Mensch, der sich für Yoga, die östliche Psychologie und für Philosophie interessiert, kennt den Namen des Weisen Patanjali und seine monumentale Arbeit über das Yoga „Yoga-Sutra.“ Aber kaum jemand weiß, daß er vor allen Dingen nicht weniger großartige Arbeiten geschrieben hat, die dem Sprachgebrauch und der Medizin gewidmet sind: Patanjali-Bhashya“ bzw. „Charaka.“ Das „Patanjali-Bhashya“, das ein Kommentar zur Grammatik von Panini ist, lehrt, wie man richtig spricht und wie man seinen Sprachgebrauch richtig entwickelt. Es gibt eine enge Verbindung zwischen Verstand und Sprache, Verstand und Körper, Verstand und Seele. Ein gesunder Körper, ein gesunder Verstand und ein gepflegter Sprachgebrauch ergeben eine harmonische Persönlichkeit. Moderne Untersuchungen haben gezeigt, daß Fehler im Sprachgebrauch nicht zufällig sind. Sie sind mit der mentalen Entwicklung tief verbunden. Zum Stottern und Stocken beim Sprechen kommt es dann, wenn eine ernsthafte emotionale Störung vorliegt. Praktisch sind alle Krankheiten psychosomatischer Natur.

Jeder Mensch, der nach Vollkommenheit strebt, muß folgendes werden: erstens, ein Arzt, der seinen Körper behandelt; zweitens, ein Fachmann auf dem Gebiet der Grammatik, der auf seinen Sprachgebrauch achtet; drittens, ein Philosoph, der sein Bewußtsein reinigt und die absolute Wahrheit versteht.

Im Leben eines solchen Menschen kann es keinen Platz für körperliche Unpäßlichkeiten, für Gleichgültigkeit gegenüber der Selbsterkenntnis und für einen unordentlichen Sprachgebrauch geben.

Und gerade so einen Menschen hat der Weise Patajali als Yogi bezeichnet und egal, mit welcher Art von Yoga und welchen spirituellen Praktiken sich ein Mensch beschäftigt, trifft alles, was vorstehend gesagt wurde, auf ihn zu.

Vom Sprachgebrauch sind die Gesundheit und der materielle Wohlstand abhängig

Und das betrifft nicht nur spirituelle Menschen, sondern auch diejenigen, die einen materiellen Erfolg erreichen wollen. Die Fähigkeit, zu sprechen und zuzuhören wie es sich gehört, wird in allen Business-Schulen gelehrt. Sogar im kriminellen Milieu muß man in der Lage sein, seinen Sprachgebrauch zu kontrollieren, um in der Hierarchie der Unterwelt nach oben zu kommen. Dort wird sehr realistisch eine Aussage von Buddha zitiert, daß ein Wort einen Menschen töten kann. Drei Minuten des Zorns können eine zehnjährige Freundschaft kaputtmachen. Worte bestimmen sehr stark unser Karma. Man kann sich zehn Jahre lang mit spiritueller Entwicklung und mit Fragen der Wohltätigkeit beschäftigen, wenn man jedoch eine große Persönlichkeit beleidigt hat, kann man alles auf allen Ebenen verlieren und in die niederen Formen des Lebens abstürzen. Und woher kommt das alles? Von Beleidigungen.

Die vedische Astrologie sagt, daß der Schattenplanet Ketu für Beleidigungen verantwortlich ist. Ketu ist ein Planet, der schnell reagiert, oft blitzschnell. Ketu ermöglicht auch eine Befreiung. Aber im negativen Sinne bestraft er für Beleidigungen und für einen respektlosen Sprachgebrauch und nimmt dem Menschen sehr schnell alles weg, was er in spiritueller und in materieller Hinsicht erreicht hat. In der vedischen Zivilisation wurde jedem Menschen beigebracht, daß er sehr aufmerksam auf seinen Sprachgebrauch achten muß. Solange ein Mensch nichts gesagt hat, ist es schwierig ihn zu kennen. Einen Dummkopf kann man von einem Weisen dadurch unterscheiden, daß er zu sprechen beginnt. Der Sprachgebrauch besitzt eine sehr starke Energie. Fachleute, die auf der feinstofflichen Ebene über eine feine Wahrnehmung verfügen, sagen, daß sich bei Menschen, die Schimpfwörter benutzen, grob und beleidigend sprechen, an einer bestimmten Stelle des feinstofflichen Körpers sofort ein schwarzer Fleck bildet, der sich innerhalb von ein oder zwei Jahren in eine Krebsgeschwulst verwandeln kann.

Der Sprachgebrauch ist eine Erscheinungsform der Lebenskraft

Das Wichtigste, wofür unsere Sprache prädestiniert ist, ist das Aufsagen von Gebeten und Mantras sowie die Behandlung von Themen, die uns Gott näherbringen. Man kann auch, soweit nötig, praktische Dinge besprechen und mit den Nächsten verkehren. Aber das Wichtigste ist, des Guten nicht zuviel zu tun. Ayurveda sagt, daß der Sprachgebrauch eine Erscheinungsform des Prana ist. Der Prana ist die Lebenskraft, die Energie des Universums. Je mehr Prana vorhanden ist, desto gesünder, erfolgreicher, charismatischer und harmonischer ist ein Mensch. In erster Linie wird der Prana verbraucht, wenn ein Mensch spricht, besonders, wenn er jemanden kritisiert, verurteilt, klagt oder flucht. Laut Statistik entstehen 90% aller Streitigkeiten deshalb, daß wir über jemanden schlecht reden.

Am erfolgreichsten sind jene Menschen, die in einem angenehmen Ton sprechen und ihren Sprachgebrauch kontrollieren können. Im Bhagavadgita heißt es, daß die Askese des Sprachgebrauchs in der Fähigkeit besteht, die Wahrheit mit netten Worten zu sagen. Menschen, die eine grobe Ausdrucksweise haben, belegen in allen Hierarchien die letzten Plätze. Das betrifft auch die Länder insgesamt. Beachten Sie, daß die Länder mit einer hohen Sprachkultur erfolgreicher sind – Japan, Deutschland und überhaupt alle G-8 Staaten. Obwohl dort derzeit ein kultureller Niedergang festzustellen ist, wozu auch der Niedergang der Sprache gehört. Und das wirkt sich auch auf die Wirtschaft und das geistige Leben insgesamt aus. Im Osten gilt ein Mensch, der grundsätzlich seinen Sprachgebrauch nicht kontrollieren kann, als sehr primitiv, obwohl er im Westen ein Professor sein kann.

Ein Schüler wollte unbedingt dem Meister Klatschgeschichten erzählen, die er auf dem Markt gehört hatte.

– Warte, unterbrach ihn der Meister – Entspricht diese Geschichte der Wahrheit?

– Ich denke, nicht.

– Bringt Sie irgendjemandem einen Nutzen?

– Aber nein.

– Ist sie komisch?

– Nein.

– Wozu soll ich mir sie dann anhören?

Das Karma wird durch unseren Sprachgebrauch bestimmt

Es ist wichtig, sich zu merken, daß, wenn wir jemanden kritisieren, wir ein negatives Karma und die schlechten Charaktereigenschaften dieses Menschen übernehmen. So wirkt das Karmagesetz. Und wir übernehmen auch die Eigenschaften jener Person, die wir loben. Deshalb rufen die Veden dazu auf, immer von Gott und von Heiligen zu sprechen und sie zu loben. Das ist der einfachste Weg, um göttliche Eigenschaften zu erwerben. Das heißt, wenn Sie irgendwelche Eigenschaften erwerben möchten, dann reicht es, wenn Sie über irgendeinen Heiligen, der diese Eigenschaften besitzt, lesen oder mit jemandem über dessen Eigenschaften sprechen. Vor langer Zeit wurde beobachtet, daß wir die Eigenschaften jenes Menschen erwerben, an den wir denken und über den wir deshalb reden. Deshalb raten sogar westliche Psychologen dazu, an erfolgreiche und harmonische Menschen zu denken und über sie zu sprechen. Aber je mehr Egoismus und Neid wir in uns haben, desto schwerer fällt es uns, über jemanden gut zu reden. Wir müssen lernen, niemanden zu kritisieren. Ich hatte einen Patienten, der laut Horoskop ab einem bestimmten Jahr eine ernsthafte Krankheit haben sollte, aber alles war bei ihm normal. Ich habe ihn gefragt, was er angefangen hat, in diesem Jahr zu tun. Er hat geantwortet, daß er ein Gelübde abgelegt hat, daß er niemanden kritisieren wird. Und er hat gesagt, daß er tatsächlich gemerkt hat, daß sein Leben besser geworden ist und seine spirituelle Praktik eine neue Ebene erreicht hat.

Derjenige, der uns kritisiert, gibt an uns sein positives Karma ab und nimmt von uns unser schlechtes weg. Die Weisen waren immer der Ansicht, daß es gut ist, wenn wir kritisiert werden. Was hat unsere Sprache mit unserem Karma zu tun? Im „Mahabharata“ heißt es, wenn Sie etwas vorhaben, etwas machen wollen, dann darf man mit niemandem darüber sprechen. Sobald Sie jemandem etwas darüber gesagt haben, verringert sich die Wahrscheinlichkeit um 80%, daß es sich erfüllt, besonders wenn Sie das einem neidischen und gierigen Menschen gesagt haben. Warum erreichen Menschen, die wenig und durchdacht reden, mehr? Sie verlieren keine Energie. Noch eine einfache Regel, die mit dem Sprachgebrauch verbunden ist: wenn wir jemandem etwas Gutes getan und damit vor anderen geprahlt haben, dann verlieren wir in diesem Moment unser positives Karma und alle Früchte unserer Frömmigkeit, die wir uns durch diese Tat erarbeitet haben. Angeber erreichen nicht viel. Deshalb dürfen wir mit unseren Errungenschaften nie angeben, da wir in diesem Moment alle Früchte verlieren, die wir uns bis dahin erarbeitet haben.

„…Deine linke Hand soll nicht wissen, was deine rechte tut.“

(Mathäusevangelium 6,3)

Die Gedanken bestimmen den Sprachgebrauch

Eine wahre Geschichte: ein Schüler geht zu seinem Meister und fragt:

– Sie raten dazu, mit aufrichtiger Vernunft zu leben. Aber dann kann der ganze Verstand davonfliegen, nicht wahr?

– Halte einfach deinen Mund und alles wird gut.

Unsere Gedanken bestimmen unseren Sprachgebrauch. Deshalb ist es wichtig, über niemanden schlecht zu denken.

Je mehr chaotische Gedanken wir in unserem Kopf haben, desto mehr treten sie in unserem Sprachgebrauch zutage und desto chaotischer wird er. Derjenige, der klar denkt, spricht auch klar.

Es gibt noch eine Ebene, zu lernen, Kritik zu akzeptieren. Eine der Eigenschaften des Verstandes ist, daß er fähig ist, sich in jeder Lage zu rechtfertigen. Je niedriger das Niveau eines Menschen ist, desto mehr Rechtfertigungen bekommen Sie von ihm zu hören. Nachdem so ein Mensch das schändlichste Verbrechen begangen hat, rechtfertigt er sich, ohne dabei rot zu werden. Ich habe Seminare in Gefängnissen durchgeführt, auch für besonders gefährliche Verbrecher. Ich war sehr erstaunt, daß praktisch niemand sich für schuldig gehalten hat.

Eines der Hauptmerkmale für einen Menschen, der sich auf einem hohen Entwicklungsniveau befindet, ist, daß er sich die an ihn gerichtete Kritik ruhig anhört.

Regeln für einen vernünftigen Sprachgebrauch

In einer Höhle meditieren drei Yogi. Plötzlich hören sie ein von einem Tier verursachtes Geräusch. Ein Yogi sagt:

– Das war ein Ziegenbock.

Ein Jahr ist vergangen. Der zweite Yogi antwortet:

– Nein, das war eine Kuh.

Noch ein Jahr ist vergangen. Der dritte Yogi sagt:

Wenn ihr nicht aufhört, euch zu streiten, verlasse ich euch.

Die erste Regel für einen vernünftigen Sprachgebrauch lautet – bevor Sie irgendetwas Schroffes sagen, zählen Sie bis zehn. Das mag dumm wirken. In der ersten Zeit können wir kaum bis drei zählen. Wenn Sie aber nach einer kurzen Pause antworten, dann wird Ihre Antwort viel vernünftiger ausfallen, da das erste, was einem in den Sinn kommt, wenn man kritisiert oder geschimpft wird, das Bedürfnis ist, sich zu rechtfertigen und eine schroffe Antwort zu geben. Deshalb müssen Sie lernen, 5 bis10 Sekunden verstreichen zu lassen, bevor Sie antworten. Neben allem anderen nimmt das die unnötige Intensität der Emotionen. Ein Mensch, der sich mit Selbstverwirklichung beschäftigt, spricht sehr wenig und durchdacht. Ich habe in Biographien einiger berühmter Persönlichkeiten gelesen, daß sie niemals auf Beschuldigungen sofort geantwortet und sich bemüht haben, nicht zu reden, wenn sie zornig waren. Sie haben das Gespräch auf den nächsten Tag verschoben oder überhaupt bis zu dem Zeitpunkt gewartet, da sich die Leidenschaften gelegt hatten, da sie wußten, so lange Zorn und Erregung ihren Sprachgebrauch beeinflussen, werden die Folgen bedauerlich und manchmal geradezu zerstörerisch sein.

Die zweite Regel für einen vernünftigen Sprachgebrauch – man darf nichts auf die Spitze treiben. Gott zeigt sich in Kleinigkeiten, der Teufel aber in Extremen. Man darf ein Gelübde „Ich bleibe stumm wie ein Fisch“, nicht ablegen. Und besonders wenn Sie Ihrer Natur nach ein krasser extrovertierter Typ sind, kann Ihnen das nur schaden. Wenn Ihre psychophysische Natur sie zwingt, viel zu reden, dann sprechen Sie so, daß Sie und die Menschen in Ihrer Umgebung einen Nutzen davon haben. Seien Sie deshalb offen und wohlwollend und, was das Wichtigste ist, leben Sie bewußt.

Es ist wichtig, daran zu denken, daß unser Niveau von kleinen, geringfügigen Handlungen bestimmt wird – wie wir auf eine grobe Bemerkung in einem Geschäft reagieren, welche Emotionen in uns überzulaufen beginnen, wenn wir „unverdient“ kritisiert werden usw.

Drei Ebenen des Sprachgebrauchs

Einem Menschen auf hoher spiritueller Ebene, im Zustand der Gnade, kann es, wenn man ihm von jemandem etwas Schlechtes erzählt oder wenn er irgendetwas Schlechtes gesehen oder gehört hat, sogar körperlich schlecht gehen. Er kann das Gefühl bekommen, physisch in den Schmutz gezogen worden zu sein. So ein Mensch sagt die Wahrheit immer mit netten Worten.

Er sagt jedes Wort bewußt, und jedes Wort von ihm bringt Harmonie in diese Welt.

In seinem Sprachgebrauch gibt es viel Humor, oft über sich selbst.

Solche Menschen sind praktisch immer gesund und glücklich. Es kann anfangs schwierig sein, sich mit dummen Äußerungen zurückzuhalten oder damit, sich in ein wirres Gespräch hineinziehen zu lassen.

Menschen im Zustand großer Begeisterung sind sehr sensibel in Bezug auf Kritik an ihre Adresse. Sie können stundenlang mit großem Vergnügen über Themen sprechen, die mit Sex, Geld, wirtschaftlichem Wohlstand, Politik und dem Reden über Einkäufe verbunden sind, über sich Gutes erzählen, jemanden höhnisch beurteilen usw. Sie sprechen gewöhnlich schnell.

Ihr Humor ist meist vulgär und mit Sex verbunden.

Gewöhnlich empfinden sie am Anfang eines Gesprächs große Genugtuung und Begeisterung, nach solchen Gesprächen aber Leere und Abscheu. Und je höher das Bewußtseinsniveau ist, desto stärker ist dieses Gefühl. So ein Gesprächsstil führt zu einem Niedergang auf allen Ebenen.

Diejenigen, die ignorant sind, zeichnen sich dadurch aus, daß ihr Sprachgebrauch voll von Beleidigungen, Klagen, Verurteilungen, Drohungen, Schimpfwörtern usw. ist. Alle Wörter sind von Zorn und Haß durchdrungen. Wenn so ein Mensch seinen Mund aufmacht, bekommt man das Gefühl, daß der Raum von einem unangenehmen Geruch erfüllt ist. Wenn man so einem Menschen etwas Gutes über jemanden sagt, kann es deshalb sein, daß er krank wird. Solche Menschen provozieren in der Regel bewußt oder unbewußt andere und versuchen bei ihnen, die Energie des Zorns, der Gereiztheit, der Kränkung und des Neids zu entfesseln, da sie auf diese Wellenlänge eingestimmt sind und sich von diesen primitiven zerstörenden Emotionen nähren.

Sie haben einen „schwarzen“ Humor, voll von Spötteleien und Freude über den Kummer anderer.

Sie leben vom Anfang bis zum Ende in einer Illusion. Das Universum heilt solche Menschen durch schwere Schicksalsschläge und Krankheiten. Sie bekommen schnell mit der Psyche verbundene Krankheiten. Man darf sich sogar nicht neben ihnen aufhalten, geschweige denn, mit ihnen verkehren.

Gewöhnlich trifft man selten einen Menschen, der sich ständig auf nur einer Ebene aufhält. Öfter trifft man Mischtypen, oder ein Menschentyp kann sich ziemlich schnell ändern.

Das hängt sehr von folgendem ab:

1. Der Gesellschaft, die wir uns aussuchen – in der Arbeit, bei der Erholung. Wenn wir beispielsweise anfangen, mit einem leidenschaftlichen Menschen zu kommunizieren, können wir nach einigen Minuten feststellen, daß wir aktiv in die Einschätzung von Politikern einbezogen sind, obwohl wir noch vor 10 Minuten nicht im entferntesten daran gedacht haben.

2. Dem Ort. Im Kasino, in Nachtklubs, in der Nähe von Bierstuben oder in einer Rauschgifthöhle ist es zum Beispiel schwer, sich die Erörterung geistiger Themen vorzustellen. Wenn ein Ort von Leidenschaft und Ignoranz durchgedrungen ist, dann wird der dort wahrzunehmende Sprachgebrauch entsprechend sein.

3. Der Zeit. Von 21.00 bis 02.00 ist beispielsweise die Zeit der Ignoranz. Deshalb will man gerade um diese Zeit zu einem Ort der Ignoranz gehen, einen von Ignoranz geprägten Film anschauen, über sich durch Ignoranz auszeichnende, im besten Fall – leidenschaftliche Themen, sprechen. Guter Rat kommt über Nacht. Das ist eine Volksweisheit. Es ist seit langem bekannnt, daß man das, worüber man am Abend gesprochen oder irgendwelche Entscheidungen getroffen hat, am Morgen bedauert oder in einem anderen Licht sieht. Deshalb macht die Befolgung der einfachen Regel – am Abend nie irgendwelche Entscheidungen zu treffen und überhaupt so wenig wie möglich in dieser Zeit zu sprechen – unser Leben wesentlich glücklicher und macht es frei von vielen Problemen und Unglücken. Es ist kein Zufall, daß in der Natur in dieser Zeit alles schläft. Haben Sie irgendwann in dieser Zeit Vogelgesang gehört?

Am Wochenende kann man einen Test machen – was für ein Sprachgebrauch hat im Laufe der Woche dominiert. Wenn es in der Gnade war, dann kann man leicht sehen, wie Harmonie und Glück in unser Leben kommen. Wenn es in Leidenschaften und besonders in der Ignoranz war, dann werden Krankheiten, Depression und Unglücke das natürliche Ergebnis sein.

Dankbarkeit ist der erste Schritt zu Harmonie und Liebe

Was soll ich über das Leben sagen?

Daß es lang war.

Nur mit Betrübnis spüre ich die Solidarität.

Aber so lange mein Mund nicht mit Lehm verstopft ist,

wird aus ihm nur Dankbarkeit zu vernehmen sein.

I. Brodsky

Eine wichtige Regel ist, sich von Klagen frei zu machen. Der erste Schritt zur Liebe ist die Dankbarkeit. Auf dieser Welt gibt es wenige, die jemandem danken. Im großen und ganzen stellen alle Ansprüche – heimlich oder unverhüllt. Aber es ist wichtig, daran zu denken: wenn wir jemandem nicht danken, heißt das, daß wir zu kritisieren und zu klagen beginnen, wobei wir uns dessen sogar nicht immer bewußt sind. Das Dienen ist nicht nur eine physische Hilfe: in erster Linie bedeutet es, einem Menschen zu helfen, ein Gottesbewußtsein zu entwickeln, seine Liebe zu schenken und den Menschen dem Göttlichen näherzubringen. Alles, was wir ohne Liebe tun, bringt nur Unglücke und Zerstörung, wie edel das äußerlich auch immer aussehen mag.

Die Lehrmeister bringen uns bei, daß wir uns jede Sekunde entweder Gott nähern oder uns von ihm entfernen. Jede Situation ist eine Prüfung, und man muß Gott für jede Situation danken, vor die er uns gestellt hat. Gott ist der Allgütige, und jede Sekunde wünscht er uns nur Gutes. Jede Sekunde ist dazu bestimmt, uns etwas zu lehren. Sobald wir klagen, blockiert das unser Herzzentrum. Die häufigsten Klagen beziehen sich auf das Schicksal, die Menschen in unserer Umgebung, die Unzufriedenheit mit sich und auf die Welt. Klagen kommen nicht nur in Worten zum Ausdruck, sondern in erster Linie in Gedanken, im Ton, im Stil des Umgangs miteinander und in der Einstellung zum Leben.

Jede Situation bekommen wir deshalb, damit wir an uns arbeiten. Je weniger harmonisch wir sind, desto angespannter sind wir und desto schwerere Prüfungen werden uns auferlegt. Aber sobald wir die Situation akzeptieren, kommt es zu einer Entspannung, und das bedeutet, daß diese Situation schnell gelöst wird.

Ayurveda sagt, daß Sie sich von einer Krankheit nicht befreien können, wenn Sie sie nicht annehmen. Das ist der erste Schritt zur Heilung und zur Lösung eines jeden Problems, die Krankheit und das Unglück in der Seele bedingungslos als eine Gnade Gottes anzunehmen, und auf der äußeren Ebene müssen alle Anstrengungen unternommen werden, um sie zu besiegen. Wenn wir die Situation nicht akzeptieren, dann werden mehr als 90% unserer Energie dafür aufgewendet, sie bis zum Überdruß zu wiederholen. Unser Organismus kann mit jeder Krankheit fertigwerden. Wir können auch jede Situation bewältigen und aus ihr als Sieger hervorgehen. Wenn wir eine Prüfung auferlegt bekommen, dann heißt das, daß wir sie bestehen können. Gott erlegt uns keine Prüfungen auf, die unsere Kräfte übersteigen. Anstatt zu klagen, müssen wir uns daran gewöhnen, allen zu danken.

Klagen sind der erste Schritt zu Krankheiten und Unglücken

Sie müssen kontrollieren, wieviel Dankbarkeit und wieviele Klagen die Menschen in Ihrer Umgebung Ihnen gegenüber haben. Sie werden erkennen, daß wir häufig mehr Klagen als Dankbarkeit haben. Die Klagen kommen von unserem Verstand und vom falschen Ego. Jede unserer Klagen hat eine destruktive Natur. Sie entziehen uns unsere Energie und verschließen unser Herz. Die wahre Demut kommt dadurch zum Ausdruck, daß wir jede Situation akzeptieren. Viele verstehen Demut als etwas zur Schau Gestelltes: wenn du auf die eine Wange eine Ohrfeige bekommen hast, dann halte die andere hin. Das betrifft den seelischen Zustand. Wir nehmen jedes Geschenk des Schicksals an, was immer es auch ist. Es ist wünschenswert, so oft wie möglich im Kopf oder noch besser laut zu wiederholen: „Für alles ist die Liebe Gottes da.“ Ich habe schon lange festgestellt, daß sich bei den Menschen, die diesen Satz wiederholt haben, der Gesichtsausdruck geändert hat. Sie sind weicher geworden, die Fesseln im Körper sind gelöst, und insgesamt sind sie glücklicher und gesünder geworden. Versuchen Sie das, es funktioniert! Wenn unser Unterbewußtsein auf das Wahrnehmen eingestellt ist, darauf, daß wir in allem den Willen Gottes sehen, dann läßt uns das schnell Vollkommenheit erreichen.

Im Mai 2006 wurde ich zu einem Festival in New Vrindavan (USA) eingeladen, um dort ein Seminar über Astrologie durchzuführen. Radhanath Swami, der große Lehrmeister aus Bombay, hat eine Geschichte vom Sterben seines Schülers erzählt. Das ist eine lange Geschichte, aber ihr Sinn besteht darin, daß dieser Schüler mit 20 Jahren sich dem spirituellen Leben voll und ganz verschrieben hat. Bis zu seinem 40. Lebensjahr hat er den Zölibat eingehalten. Er hat sich sehr aktiv mit der Propaganda spirituellen Wissens beschäftigt und sich an verschiedenen Wohltätigkeitsprojekten beteiligt. Zu einem bestimmten Zeitpunkt hat er beschlossen, zu heiraten. Er hatte eine schöne junge Ehefrau, die ihm ein Kind gebar. Und in jener Zeit ist dieser Schüler an Krebs mit einem schweren Verlauf erkrankt. Seine spirituellen Freunde haben für ihn die beste Behandlung organisiert, aber nichts hat ihm geholfen. Mit jedem Tag wurde sein Körper mehr und mehr zerstört, was ihm starke physische Leiden bereitete. Aber von ihm ging immer nur Dankbarkeit aus. Niemand hat jemals von ihm gehört „Mein Gott! Wofür hast du mich so bestraft? Ich habe dir 20 Jahre lang treu und wahrhaft gedient und dir meine besten Jahre geopfert!“ Niemand hat von ihm jemals Klagen gehört, nur Dankbarkeit. Er hat Gott und den spirituellen Lehrmeistern dafür gedankt, daß jeden Tag gottergebene Menschen zu ihm gekommen sind und die heiligen Namen lobgepriesen und über Gott und die Heiligen gesprochen haben. Er hat Gott dafür gepriesen, daß er sich um ihn immer bestens gekümmert hat. Eines Tages hat Radhanath Swami ihn angerufen, um ihm letzte Belehrungen zuteil werden zu lassen und ihn zu unterstützen. Und er war einfach tief davon beeindruckt, daß der spirituelle Lehrmeister an ihn denkt und ihm letzte Belehrungen vor dem Sterben zuteil werden läßt. Er hat den um ihn versammelten Menschen gesagt: „Wie groß ist der Lehrmeister, er hat so viele wunderbare Schüler, aber er denkt sogar an einen so unbedeutenden wie mich.“ Was erstaunlich ist, er hat nicht um Gesundheit gebeten, obwohl er alles getan hat, was die Ärzte gesagt haben. Er war der Ansicht, daß Gott besser weiß, was er braucht. Alles, worum er gebeten hat, war der Segen, damit ihm in diesem und im nächsten Leben die Möglichkeit gegeben wird, der Welt uneigennützig zu dienen. Und an einem seiner letzten Tage kam der Heilige Babaji nach Bombay, den alle nur in Vrindavan (einer der heiligsten Stätten in Indien) gesehen haben. Alle wußten, daß er niemals Vrindavan verlassen hat, und niemand weiß, woher er erfahren hat, daß diese große Seele ihren Körper verlassen will. Er ist gekommen, um in den letzten Tagen bei ihm zu sein. Bis zur letzten Sekunde seines Daseins auf dieser Welt hat dieser gottergebene Mensch nur allen gedankt. Und obwohl sein Körper ihm immer mehr Schmerzen bereitet hat, strahlte er so viel Liebe, Ruhe und Licht aus, daß viele nicht nur aus dem Grund gekommen sind, ihn zu unterstützen, sondern einfach, um in seiner Aura zu sein.

Aber wenn Sie in ein gewöhnliches Krankenhaus kommen, dann hören Sie kaum Worte der Dankbarkeit, überwiegend nur Klagen und Vorwürfe: „Wozu hat Gott mir so etwas geschickt? Warum ist er so ungerecht, ich bin doch so ein Guter!“ Und wenn ein Mensch wenigstens irgendwelche Gesetze der Frömmigkeit und die Vorschriften der hiesigen Kirche eingehalten hat, dann kennt die Empörung keine Grenzen … Und man muß nicht unbedingt in ein Krankenhaus gehen. Sehen Sie sich um und Sie hören in der Hauptsache Klagen und Vorwürfe: an die Adresse der Regierung, den Umweltschutz, Verwandte und Freunde, die Mitarbeiter des Dienstleistungssektors usw. Fast alle in unserer Zeit sind der Ansicht, daß alle ihnen etwas schuldig sind. Und wenn jemand wenigstens etwas Gutes für einen anderen tut, dann kommt er in seinem Inneren zu der Überzeugung, daß dieser Mensch ihm sein ganzes Leben lang zu Dank verpflichtet ist, mindestens muß er für ihn das Gleiche tun. Und wir haben wie immer die Wahl: entweder uns der allgemeinen Masse der Menschen anzuschließen, in ein höllisches Leben von Vorwürfen und Klagen einzutauchen und mit verschlossenem Herzen zu leben, oder uns daran zu gewöhnen, in allem die Gnade Gottes zu sehen, und, anstatt zu fragen, „Wozu?“ die Frage zu stellen „Wofür ist das alles für mich?“ Wir müssen uns daran gewöhnen, unseren Mund nur zum Zwecke der DANKSAGUNG aufzumachen und dabei zu verstehen, daß wir Glückseligkeit erst dann empfinden können, wenn wir uneigennützig und heimlich geben. Liebe kann man nur empfinden, wenn man gibt. Und uns sind so umfangreiche Möglichkeiten in dieser Welt in unserer Zeit gegeben … Und schon allein dafür können wir ständig Gott danken. Deshalb wollen wir am heutigen Tag ein Gelübde ablegen, daß wir auf unseren Sprachgebrauch achten, und uns als Ziel die Liebe zu Gott setzen und auf allen Ebenen nach Vollkommenheit streben werden.

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